Frauen am Strand

Original aus Max Müllers Aquarell-Serie zum Thema Identität. Rahmen nicht im Lieferumfang.

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Original aus Max Müllers Aquarell-Serie zum Thema Identität.

Künstler: Max Müller
Titel: Frauen am Strand
Entstehungsjahr: 2018
Format: 29,7 x 21 cm, Aquarell / Tusche + Kugelstift auf Papier, Rahmen nicht im Lieferumfang

Max Müller

Max Müller - Künstler

Max Müller, Foto: Max Müller

Der Künstler Max Müller ist Sänger der sagenumwobenen Band Mutter, deren Musik uns seit fast 30 Jahren fesselt, begeistert, aufmuntert, aufwühlt und manchmal auch verstört. 

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Wolfgang Müller über seinen Bruder

Der Weiße Hai und der Bronzeengel

Max wurde am 17. September 1962 geboren und ist somit mein jüngerer Bruder. Ich selbst wurde fünf Jahre vorher, 1957, geboren. Ein paar Jahre lang bewohnten wir gemeinsam ein Kinderzimmer in unserem Wolfsburger Elternhaus. Ich zeichnete mit acht Jahren meine ersten Comic Strips und klebte sie zu kleinen Heftchen zusammen. Summi und Brummi spielten in ihnen die Hauptrollen: Summi war eine Bienenfrau und Brummi ein Hummelmann. An die anderen Insekten erinnere ich mich nicht mehr. Die Biene und die Hummel lebten in einer Welt, für die ich eigene Kontinente, Flüsse und Städte entwarf. Volljährig wurde ich 1975. Max war da dreizehn Jahre alt. Solange ich mich erinnere, hat Max ebenfalls immer gezeichnet, allerdings nicht auf Zeichenpapier und Heftchen wie ich, sondern auf Zettel, Kassenbons, Plakatreste oder farbige Papierstücke.

Während ich also Comic Strips bevorzugte, entwickelte Max eine Vorliebe für Einzelzeichnungen, Blätter mit Situationen, aufblitzenden Momenten, hinter, vor oder neben denen sich dann eine weitere Geschichte verbarg. Das ist bis heute so. Zu sehen ist auf den Zeichnungen von Max immer nur ein kurzer Moment, eine bestimmte Szene, die allen Betrachtern seltsam bekannt oder vertraut erscheint. Ein Filmstill oder ein Höhepunkt aus einem bekannten Kinofilm, aus dem Fernsehen oder der Zeitung. Das Vorher und das Nachher liegen also brach im Hirn herum, wenn Max‘ Bild dort einschlägt wie ein Blitz. Da das allseits gespeicherte Bild irgendwie verschoben, verzerrt, verfremdet und gebrochen ist, verstärkt sich dessen Wirkung. In der Wahrnehmung changiert das irgendwie Vertraute unruhig hin und her und beginnt von selbst seine Geschichte zu erzählen. Und die ist so unterschiedlich wie die Betrachter.

Wir Müllerbrüder waren schon als Kinder fasziniert davon, wie unterschiedlich die Menschen wahrnehmen: Während der eine begeistert hinschaut, wenn ein Berg erklommen wird, schließt der andere entsetzt die Augen. Während die eine glücklich zur Volksmusik schunkelt, hält sich die andere gequält die Ohren zu.

Das allererste Kunstwerk von Max, an das ich mich erinnern kann, befand sich in einem großen Einweckglas. Dieses stand auf einem Tisch und innen befand sich eine zwei- beziehungsweise dreiteilige, bunt bemalte Skulptur. Schwebend, wie der Engel von Ernst Barlach. Natürlich bestand Max‘ Skulptur nicht wie Barlachs tonnenschwerer Engel aus Bronze, sondern aus irgendeinem federleichten, wasserfesten Knet- und Bastelmaterial für Jugendliche. Barlach hatte die Bronzefigur mit dem Gesicht von Käthe Kollwitz für den Güstrower Dom zur 700-Jahr-Feier des Bauwerks als Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen geschaffen. Seine große Skulptur hing an zwei dicken Stahlketten von der Decke des Doms.

Wolfgang Müller - Autor / Künstler

Wolfgang Müller, Foto: Luci Lux

Max‘ dreiteiliges Ensemble war dagegen sehr fragil. Im großen, mit klarem Leitungswasser gefüllten Glas hatte der 13-jährige Max die Einzelteile arrangiert. An einem dünnen Bindfaden hing ganz unten, nahe dem Boden, ein großer weißer Hai mit spitzen Zähnen, darüber baumelte ein Schwimmer in blauer Badehose mit einem Bein und einem blutigen Beinstumpf. Am dritten Faden schwebte losgelöst das andere, abgetrennte Bein.

Es war 1975, das Jahr der Premiere des Tierhorrorfilms „Der weiße Hai“ von Steven Spielberg. In allen Wolfsburger Kinos lief der Film mit Riesenerfolg. Wochenlang. Vermutlich hatte Max die Ankündigungen in den Zeitungen gesehen oder auch kurze Ausschnitte davon im Fernsehen. Oder sich heimlich ins Kino geschmuggelt: Der Film, dessen Story auf einer tatsächlichen Haiunfallserie aus dem Juli 1916 in New Jersey mit fünf Opfern basiert, war erst ab 16 Jahren freigegeben. Die damalige These vom Einzeltäter, einem riesigen Killerhai, der es auf Menschen absah, entpuppte sich später als falsch, lieferte aber die passende Vorlage für den Film, der 1975 die Ära des Blockbuster-Kinos in Hollywood einleitete. Leider ist die dreiteilige Schwebeskulptur von Max heute verschollen. Doch wer sich seine Zeichnungen anschaut, der kann sich gut vorstellen, wie sie einst ausgesehen haben könnte.

Wolfgang Müller

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